Spracheingabe-System

Spracheingabe-System

»Unser Prototyp passt in jeden Kofferraum.«


22. Juni 2020


Lorenz Arnold und sein Team von MGA Ingenieurdienstleistungen erstellen ab Frühling 2020 ein Spracheingabe-System für Maschinensteuerung und möchten damit eine noch leichtere und komfortablere Bedienung gewährleisten – Prototyp soll im Herbst 2020 fertig sein.

Frage: Spracheingabesysteme auch für Industriesteuerungen sind auf den ersten Blick »ein alter Hut«! Man kennt sie beispielsweise von »Pick-by-voice«-Kommissioniersystemen aus der Distributions­logistik. Was ist also das Besondere und Neue an Ihrer Lösung?

Marius Ritter: Unser Ansatz lautet, dass wir uns nicht auf spezielle Branchen fokussieren oder ein ganz spezielles Produkt erstellen wollen, sondern eine Lösung für die breite Masse. Wir wollen damit Firmen aus fast jeglichem industriellen Umfeld ansprechen.

Was war der Auslöser für dieses Entwicklungsprojekt?

Ritter: Wir bei MGA glauben, dass in Zukunft der Wunsch seitens der Anwender nach mehr Komfort am Arbeitsplatz immer größer wird. Warum sollte man nicht die eigene Maschine über Sprachsteuerung bedienen können, wenn man Haushaltsgeräte mittels Sprache bedienen kann?

Lorenz Arnold: In der Tat gibt es in vielen Haushalten schon Alexa oder andere Spracheingabesysteme. Wenn man als Anbieter in der Lage ist, flächendeckend und zum günstigsten Preis eine Spracheingabe-Lösung zu erstellen, hat man einen Wettbewerbsvorteil. Das war bei den ersten Touch-Panels auch so.

Für das Projekt haben Sie eine Kundenbefragung durchgeführt. Welche Erkenntnisse haben Sie gewonnen?

Ritter: Wir haben im März und April 2020 Erkenntnisse zu mehreren Themen erfahren wollen. Zum einen: Was wird vom Markt gefordert, damit ein neues System erfolgreich wird? Außerdem ist es wichtig zu wissen, in welchen Branchen ein Spracheingabesystem zum Einsatz kommen könnte.

Welche Feedbacks können als Trend aufgenommen werden?

Ritter: Was uns auffiel: Das Interesse an einem solchen Spracheingabesystem besteht ganz sicher. Diese Erkenntnis haben wir mehrmals bei der Umfrage gewonnen.

»Ein Spracheingabe-System erleichtert auch die Wartung«

Die Vorgehensweise von Herrn Arnold lautet: Machbarkeitsanalyse, dann technische Konzepterstellung und Prototyp erstellen. Können Sie schon etwas zum Konzept mitteilen?

Ritter: Da kann ich erst in drei Monaten etwas schildern. Das Konzept sollte eine »Mainstream-Lösung« beinhalten, die auf sehr breiter Basis angewendet wird. Das heißt auch, dass die Lösung bezahlbar ist. Das wiederum erfordert, die technische Lösung so einfach wie möglich zu gestalten.

Worin könnte der Hauptnutzen für Maschinenbauer und deren Kunden bestehen, wenn ein solches Spracheingabesystem vorliegt?

Ritter: Der große Vorteil ist die hohe Flexibilität für den Anwender. Es gibt keinen festen Platz für das Bedienpanel. Man kann sich frei bewegen. Wenn man ein Headset aufhat, hat man beide Hände frei.

Welcher nebensächliche Nutzen könnte sich noch ergeben?

Ritter: Ein Spracheingabesystem ist sehr komfortabel für den Anwender.

Arnold: Der Komfortgewinn ist in der Tat ein starkes Argument. Das ist wichtig.

Auf was kommt es bei der Entwicklung ganz besonders an?

Ritter: Ein Ergebnis bei der Kundenbefragung war auch, dass man Hintergrundgeräusche möglichst vermeiden will, die ich in jeder Produktionshalle habe. Beim Spracheingabesystem geht es daher immer darum, sprachliche Missverständnisse zu vermeiden. Eine gute Lösung muss einwandfrei funktionieren.

Wagen Sie selbst einen »Blick in die Glaskugel«: Was könnte der Status quo in zehn Jahren sein? Was werde ich entdecken, wenn ich in 10 Jahren über die Hannover Messe oder SPS in Nürnberg schlendere?

Ritter: Ich glaube, dass das Thema »Sprachsteuerung« dann zum Alltag im Maschinenbau gehört. Was heute das Touchpanel ist, wird eines Tages das Spracheingabesystem sein. Vor der Zeit mit Touchpanels gab es einfache Schalter und Knöpfe.

Letzte Frage: Was hat Sie, Herr Ritter, veranlasst, Elektrotechnik zu studieren?

Ritter: Das war damals eine Entscheidung aus dem Bauch heraus! Ich habe Abitur gemacht und danach eine Ausbildung als Elektriker für Energie- und Gebäudetechnik. Mir war danach klar, dass ich ein Studium der Elektrotechnik absolviere. Die Themen Robotik und Automatisierung machten mir viel Spaß. Seit Anfang April bin ich nun Bachelorand bei MGA Ingenieurdienstleistungen.


Das Gespräch führte Stefan Beck
Pressebeck.de